Zukunft

Wir reiten in die Stadt.

Wer in den letzten fünf Jahren irgendeine Form von Sozialkontakt hatte, und sei es nur durch einen Blick in die Zeitung, hat es unter Garantie mitbekommen: Wir leben in Zeiten massiver Umbrüche.

Wie und was wir arbeiten und was wir überhaupt Arbeit nennen werden, wie sich die Wirtschaft insgesamt entwickelt, was das Klima mit uns tut als Folge dessen, was wir dem Klima tun, wie die Medien funktionieren und was denn überhaupt Medien sind, was heutzutage alles als Politik durch jede Qualitätskontrolle schlüpft, wie wir miteinander umgehen und wie wir miteinander umgehen sollten, was aus Europa wird und aus der Welt, wie wir alles googeln und immer weniger wissen, wie alles dauernd mehr wird, und alles gleichzeitig und damit total unübersichtlich … hm …

Wir leben in verstörenden Zeiten und können nur in einem sicher sein: Alles wird ganz anders bleiben. Digitale Transformation, Innovation, Disruption – wenn einem da nicht jetzt schon schwindlig wird, weiß ich auch nicht.

Aber, wer wird sich denn um das alles kümmern, bitte? Wer wird denn das alles managen?

Manager garantiert nicht.

Manager sind nämlich auf der Welt, damit sie die Dinge richtig machen.

Wir brauchen aber Menschen, die die richtigen Dinge machen. Echte AnführerInnen also, sonst wird das nix.

Solche Typen, die George Bernard Shaws Satz geil finden (für Generation Y: krass finden, für Generation Z: feiern): „Ihr aber seht und sagt: Warum? Aber ich träume und sage: Warum nicht?” Und die dann konsequent den Leitsatz der Clint Eastwood School of Entrepreneurship verinnerlicht haben: „Wir reiten in die Stadt. Der Rest ergibt sich.”* Ein stehendes Schiff kann man nämlich nicht manövrieren.

Wir brauchen Menschen, die keine Karriere wollen, sondern solche, die eine Mission haben und andere dafür begeistern können. Jedenfalls hat etwas Anderes bis heute nicht funktioniert, bevor sich was gerührt hat. Wir brauchen Menschen, die voran gehen.

Wo ist vorne und wie komme ich dort hin?

Nur, wie geht man am besten voran? Wie macht man das? Wie begeistert man Menschen für das, was nötig ist?

  1. Vergiss Fakten. Fakten treffen nicht ins Ziel. Sie treffen das Hirn, wir müssen ins Herz, denn nur dort entsteht Begeisterung. Und über die Zukunft gibt es sowieso keine Fakten.
  2. Sprich nicht von Veränderung, auch das führt zu nichts. Es gibt nämlich nur zwei Dinge, die alle anderen besser können als man selbst: sparen und sich verändern. Wir wollen uns nicht verändern, aber wir haben immer gerne etwas Neues.
  3. Wecke die Sehnsucht in den Herzen der Menschen.

Damit sind wir beim Thema: Story ist der perfekte Wegweiser in die Zukunft. Ich kenne jedenfalls keinen besseren. Mit Story kannst du Sehnsucht und Begeisterung wecken. Mit Story machst du Lust auf Neues.

Anführer beherrschen Story als ihr wichtigstes und mächtigstes Führungsinstrument und verwenden es mit Bedacht und Respekt. Denn wie bei den allermeisten Werkzeugen bestimmt der Wirkende, was damit geschieht. Mit einem Hammer kannst du den Nagel oder einen Menschen auf den Kopf treffen.

Wenn wir einen wachen Blick in den Rückspiegel der Geschichte werfen, entdecken wir viele bekannte Anführer, die ihre einzigartige Fähigkeit verbindet, Menschen mit einer gemeinsamen Story zu fesseln, zu motivieren, in Bewegung zu setzen. Im Guten wie im Schlechten, das sei hier keinesfalls übersehen, denn die innere Mechanik von Story wirkt eben neutral. Ob Jesus von Nazareth, Martin Luther King, Steve Jobs, Barack Obama, John F. Kennedy aber auch Adolf Hitler … Pioniere, Visionäre, Unternehmerinnen, Politiker, Demagogen, Anführer und Verführer – sie verstehen sich, oft unbewusst, auf diese Kunst. Genau genommen hat bislang noch nichts Anderes wirklich funktioniert.

Ein Mensch, eine kleine Gruppe geht voran und gewinnt die anderen dazu, dass sie mitgehen.

So und nicht anderes können wir Umbrüche aktiv nützen: in unserem Leben, in unserer Company, in der Gesellschaft, auf der Welt. So und nicht anders wird es allen morgen besser gehen als heute. Oder vielleicht auch erst übermorgen …

Wer ist dein Gegner? Und wo?

Mit der Story-Mechanik „Wir sind die Vielen, die moralisch Überlegenen, die von einer mächtigen elitären Minderheit beherrscht werden“, kannst du wie Donald Trump „America First” fordern oder wie Apple 1984 den Macintosh am Markt einführen. Eine kleine Gruppe Gerechter, die für die Befreiung aus der Knechtschaft des alles dominierenden Big Brother IBM kämpft. Die Guten gegen die herrschende Macht der Elite.

Ein gemeinsamer Gegner ist ein wichtiger Mobilisierungsfaktor. Das ist niemals(!) die Konkurrenz, auch wenn sie mitunter die Symbolfigur der Metapher dafür ist. Der Gegner muss nicht immer ein expliziter Feind im engeren Sinn sein. Das wäre zu kurz gedacht, eigentlich gar nicht gedacht. Gegner können zum Beispiel auch – scheinbar – abstrakte Kräfte sein wie komplizierte Abläufe, oder lange Wartezeiten, oder der innere Schweinehund … Jedenfalls brauchen Helden immer Gegner, die sie besiegen können, antagonistische Kräfte. Und gar nicht selten sitzt der Antagonist versteckt in einem selbst …

Wer Menschen bewegen will, in welchem Feld auch immer, ob als Motivatorin, Redner, Verkäuferin, Campaigner, Anführerin, ob in Marketing, HR, PR oder Politik – schreibt euch mit Herzblut an jede Wand: It’s the story, stupid. Es geht dabei nicht um Storytelling, sondern um Storysharing– um das Teilen gemeinsamer Werte und Sehnsüchte von Marke und Publikum!

Wo ist die gemeinsame Sehnsucht? Wo ist das gemeinsame Ziel? Wo ist der Multiplikationsfaktor?

Und weil ein Text über Führung und Story nicht ohne das offizielle Zitat von Antoine de Saint-Exupéry zu dieser Angelegenheit auskommt – hier ist es: „Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.“ Die Geschichte von … Freiheit! Der Gegner, die antagonistische Kraft heißt also naturgemäß: Unfreiheit.

Ein bisschen mehr dazu gibt’s hier.

Übrigens: Manager können theoretisch auch Anführer sein. Und wenn sie’s nicht nur theoretisch sind, wäre das sogar sehr praktisch! Genauso muss man kein Unternehmen haben, um unternehmerisch zu handeln. Irgendjemand hat sich dafür den Begriff Intrapreneur ausgedacht. Reite in die Stadt!

Was liest Clint Eastwood?

Und noch was*: Das Clint Eastwoodsche Handlungsprinzip wird vom großartigen Wolf Lotter empfohlen, der im brand eins stets den Schwerpunkt-Themen-Artikel liefert und die erhellende Streitschrift für barreirefreies Denken unter dem Titel „Innovation” verfasste. Ein handliches Buch, das in jede Satteltasche passt und gehört. Lesebefehl!

Story ist eine Frage der Haltung und eine unverzichtbare Notwendigkeit für erfolgreiche Kommunikation sowieso, aber für ein erfolgreiches Unternehmen, für den Bestand einer Marke ebenso und für Content Marketing erst recht. So geht’s in die Zukunft.

Egal ob Weltkonzern, KMU oder EPU – jeder Mensch, jede Marke, jedes Unternehmen hat eine Story und steht für etwas. Oder für nichts, denn man kann nicht keine Story haben. Im schlimmsten – und durchaus häufigen – Fall bleibt allerdings nur noch ein einziges Thema: der Preis. Das ist dann meistens das letzte Kapitel.

Oder, wie es meine Großmutter, die alte Story Dudette, Dirty Harry für eine Handvoll Dollar hinter die Ohren schrieb: „No Story. No Glory.”

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P.S.: Jeder stationäre Buchhändler freut sich über einen Einkauf und besorgt dieses und jedes andere Buch im Handumdrehen – mitunter wird die Hand halt zwei- oder dreimal umgedreht … Die Belohnung dafür: Bei einem Besuch in der Buchhandlung gibt es immer wieder vieles zu entdecken, und auch ich freue mich über einschlägige Tipps von dir als Story Insider – nicht nur aus der Sach- & Fachbuch-Ecke.

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